
19/04/2026
Porsche 911S
Dieser 911-Rennwagen dominierte die Rallye-Weltmeisterschaft bereits bei seinem ersten Antritt, der Rallye Monte Carlo, wo der schwedische Fahrer Björn Waldegåård den Sieg errang.
In den ersten zwanzig Jahren konzentrierte sich Porsche vor allem auf Rundstrecken- und Bergrennen und entwickelte speziell für diese Disziplinen Fahrzeuge wie den 550 und den 718, die auch unter anspruchsvolleren Bedingungen, beispielsweise auf den Strecken der Carrera Panamericana, gute Leistungen erzielten. Einige Kunden setzten jedoch den 356 und seinen Nachfolger, den 911, erfolgreich im Rallyesport ein. Ende der 1960er Jahre, nach der Einführung des brandneuen 2,2-Liter-911, beschloss das Unternehmen, sein Potenzial voll zu nutzen. Infolgedessen wurde eine modifizierte Version des Spitzenmodells, der 911S, auf den Markt gebracht und bei der ersten Weltmeisterschaft im Rallyesport eingesetzt.

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Kurz nach seiner Markteinführung erzielte der 911 erste Rallye-Erfolge: Herbert Linge und Peter Falk belegten 1965 in einem optimierten Serienmodell der Baureihe S den fünften Platz bei der Rallye Monte Carlo. Während der folgenden Jahre gewannen die Versionen L, T und S neben anderen Wettbewerben die Rallyes Monte Carlo 1968 und 1969, zwei Rallyes in Deutschland, eine in San Remo und zwei in Schweden.

Ein Porsche 911 S 2.2 aus den frühen 1970er Jahren bei der Monte Carlo Historic Rallye 2009.© IXO Collections SAS - Tous droits réservés.
Das Modell 911 von 1970, gekennzeichnet durch eine Erhöhung des Hubraums auf 2,2 Liter, hatte sein Debüt im selben Jahr, in dem der Internationale Hersteller-Meisterschaftstitel eingeführt wurde, welcher in den ersten drei Jahren ausschließlich den Herstellern vorbehalten war. (Der heutige Name WRC – World Rally Championship – wurde 1973 eingeführt.) Porsche meldete sich offiziell für diesen neuen Wettbewerb an und bereitete eine Sonderausführung des neuen 911 S vor, die intern als „S/T” bezeichnet wurde – eine verbesserte und leichtere Version des Serienmodells. Die Meisterschaft umfasste sieben Veranstaltungen. Punkte wurden an die ersten sechs Autos vergeben (9 für den 1. Platz, 6 für den 2. Platz und dann 4 bis 1 für die nächsten vier Plätze). Porsche engagierte den schwedischen Fahrer Björn Waldegård (Beifahrer war sein Landsmann Lars Helmér) als offiziellen Fahrer. Waldegård holte seinen zweiten Sieg in Folge in Monte Carlo, womit das Auto ein erfolgreiches Debüt feierte und Porsche seine ersten Punkte in der Gesamtwertung sammelte. Dahinter kam ein weiterer 911 S mit den Franzosen Gérard Larrousse und Maurice Gélin am Steuer, während ein drittes Auto, gefahren ebenfalls von einem schwedischen Team (Åke Andersson und Bo Thorszelius), den vierten Platz belegte. Punkte wurden jedoch nur für das erste offizielle Auto vergeben. Zu diesem Erfolg fügte Waldegård einen „Heimsieg” in der Rallye Schweden hinzu und gewann, nachdem er San Remo und Kenia übersprungen hatte, das Österreichische Alpen-Rallye, wodurch er den ersten Platz von Porsche in der Gesamtwertung sicherte.

Der 911 von Björn Waldegård und Helmér während einer der Nachtetappen der Rallye Monte Carlo 1970. Das Team entschied sich dafür, die Straßenreifen zu behalten, was ihnen bei trockenem Wetter ein entscheidendes Vorteil brachte.© IXO Collections SAS - Tous droits réservés.
Trotz drei überzeugender Siege war der Titel noch lange nicht sicher: Der gefährlichste Rivale war Alpine-Renault, Sieger in San Remo, das auch in Monte Carlo und Österreich Punkte gesammelt hatte. Das französische Auto kam gefährlich nahe, als es die vorletzte Runde der Meisterschaft in Griechenland, die Acropolis Rallye, gewann, bei der Waldegård wegen eines gebrochenen Kolbenbolzens aufgeben musste. Also traten die Teams zur letzten Runde, der RAC Rallye von Großbritannien, an, wobei Porsche nur drei Punkte vor seinen französischen Rivalen lag, gefolgt von Saab, Opel, Ford und Lancia auf sicherem Abstand. Zur Überraschung aller war es Lancia mit dem Fulvia HF, gefahren von den Schweden Harry Källström und Gunnar Häggbom, der den Gesamtsieg auf den englischen Strecken errang und in der Gesamtwertung den dritten Platz belegte.

Der erste 911, der bei der Rallye Monte Carlo an den Start ging, war dieser 2-Liter-„S“ mit Herbert Linge und Peter Falk am Steuer, die 1965 den fünften Platz belegten. © IXO Collections SAS - Tous droits réservés.
Letztendlich mussten sie sich beide mit den letzten Punkteplätzen genügen, wobei der beste Alpine A110 Fünfter und der beste Porsche nur Sechster wurde – ein Ergebnis, das ausreichte, um das Comeback des französischen Autos zu verhindern. Statt Waldegård, der wegen Getriebeproblemen ausfiel, holte der Franzose Gérard Larrousse diese wichtige Punktzahl. Während der nächsten beiden Saisons dominierte der Alpine-Renault, gefolgt von Lancia, auf der Rennstrecke, und der Porsche 911 S konnte trotz der Einführung eines leistungsstärkeren 2,5-Liter-Motors nur einige zweite Plätze erzielen, die erneut von Waldegård, Larrousse und dem polnischen Fahrer Sobieslaw Zasada gesichert wurden.
Zwischen Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre gewann der Schwede Björn Waldegård mit verschiedenen Versionen des 911 eine Rallye Monte Carlo und zwei Rallyes in Schweden. Aus diesem Grund wählte Porsche ihn als ihren Spitzenfahrer für die erste Internationale Herstellermeisterschaft, die sie gewannen. Waldegård gewann auch die erste Fahrermeisterschaft, die 1979 eingeführt wurde, hauptsächlich am Steuer eines Ford Escort 1800 RS, und bescherte der amerikanischen Marke damit ihren ersten Weltmeistertitel in der Herstellerwertung. Bevor er für Ford fuhr, war der Schwede auch für Lancia aktiv, wo er Ende 1976 ausschied, nachdem er sich geweigert hatte, seinem Teamkollegen Sandro Munari den Sieg in San Remo zu überlassen, wie es ihm die Teamleitung befohlen hatte. Seine Karriere begann 1962 und dauerte bis Anfang der 1990er Jahre, bis ein Unfall bei der Safari-Rallye 1992 sie beendete. In Kenia sicherte sich Waldegård 1990 mit einem Toyota Celica seinen letzten Weltmeisterschaftssieg und wurde mit 46 Jahren der älteste Fahrer, der jemals eine WRC-Veranstaltung gewann. Tatsächlich kehrte der schwedische Fahrer 1993 in den Rennsport zurück und nahm teil an kleineren Veranstaltungen, historischen Rennen und einfachen Ausstellungen, bis er 2014 endgültig aufhörte.

Björn Waldegård (rechts) und Lars Helmér (links) neben dem 2-Liter-911 S, mit dem sie 1969 die Rallye Monte Carlo (damals Teil der Europameisterschaft) gewannen. © IXO Collections SAS - Tous droits réservés.
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